3 gießen


gießen

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gie|ßen ['gi:sn̩], goss, gegossen:
1. <tr.; hat (eine Flüssigkeit) durch Neigen des Gefäßes aus diesem herausfließen, in ein anderes Gefäß fließen, über etwas rinnen, laufen lassen:
Tee in die Tasse gießen; ich habe mir den Kaffee aufs/übers Kleid gegossen.
Syn.: schütten.
2. <tr.; hat (mithilfe einer Gießkanne) mit Wasser versorgen:
die Beete gießen; ich muss noch Blumen gießen.
Syn.: begießen, bewässern, wässern.
3. <tr.; hat (etwas) herstellen, indem man eine geschmolzene Masse in eine Form fließen lässt:
Kugeln, Glocken, Schokoladenfiguren gießen; eine Statue aus Metall gießen.
4. <unpers.> (ugs.) stark regnen:
es gießt in Strömen.
Syn.: Bindfäden regnen (ugs.), schütten (ugs.).

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gie|ßen 〈V. 152; hat
I 〈V. tr.〉 etwas \gießen
1. in, über od. aus etwas herausschütten (Flüssigkeit)
2. begießen, tränken (Pflanzen)
3. schmelzen u. in Formen füllen (Metall, Wachs)
● Beete, Blumen \gießen; Eisen, Metall, Zinn in eine Form \gießen; Glocken, Lettern \gießen; Kaffee in die Tassen \gießen; Wasser, Wein ins Glas \gießen; gegossenes Eisen durch Guss geformtes Eisen; wie aus Erz gegossen dastehen völlig unbeweglich
II 〈V. intr.; unpersönl.; umg.〉 es gießt (in Strömen) es regnet stark ● es goss wie aus Kannen (Kübeln) 〈umg.〉
[<ahd. giozan, got. giutan <germ. *gut- <idg. *ghud-; hierzu Guss, Gosse]

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Gie|ßen; Syn.: Guss: in der Werkstofftechnik ein Verfahren zur Verarbeitung schmelzflüssiger Metalle, keramischer Massen oder Kunststoffe. Dabei werden entweder fertige Werkstücke oder, z. B. in der Eisenmetallurgie, zur Weiterverarbeitung bestimmte Blöcke, Brammen, Barren, Masseln oder Stränge hergestellt. Typische Gießverfahren sind Kokillenguss, Schleuderguss, Strangguss, Spritzguss u. Druckguss.

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gie|ßen <st. V.; hat [mhd. gieʒen, ahd. gioʒan]:
1.
a) (eine Flüssigkeit) aus einem Gefäß an eine bestimmte Stelle, in ein anderes Gefäß fließen lassen, über etw. rinnen, laufen lassen, schütten:
Kaffee in die Tassen, Wasser an/auf/über den Braten g.;
Ü (dichter.:) der Mond goss sein Licht über die Felder;
b) (eine Flüssigkeit) versehentlich über etw. ausgießen, verschütten:
er hat die Tinte auf die Tischdecke, übers Heft gegossen;
du hast ihr den [ganzen] Wein aufs Kleid gegossen.
2. (mit einer Gießkanne) mit Wasser versorgen; begießen:
die Blumen g.;
er muss fast jeden Abend [die Pflanzen, die Beete] g.
3. <unpers.> (ugs.) heftig regnen:
es goss in Strömen.
4.
a) durch Schmelzen flüssig gemachtes Metall in dafür vorgesehene Hohlformen gießen (1 a) u. darin erstarren lassen:
Silber, Kupfer g.;
in diesem Werk wurde früher nur Eisen gegossen;
b) aus einer durch Schmelzen flüssig gemachten Masse dadurch herstellen, dass man diese in eine entsprechende Form fließen u. darin zu dem gewünschten Gegenstand erstarren lässt:
Lettern, Glocken g.;
Kerzen g.;
der Stuhl wurde aus einem neuartigen Kunststoff in einem Stück gegossen.

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I
Gießen,
 
zum Urformen aus dem flüssigen, breiigen oder pastenförmigen Zustand gehörendes Verfahren, bei dem der Hohlraum einer Gießform mit dem Inhalt eines Gießgefäßes gefüllt wird. Zum Gießen eignen sich alle Metalle und Metalllegierungen, die durch Schmelzen in den flüssigen Zustand überführt werden können und nach dem Gießen in der Form erstarren: Eisen und Stahl sowie Nichteisenmetalle, hier überwiegend Aluminium, Kupfer, Zink und Magnesium.
 
Einrichtungen zum Gießen sind unbeheizte Gefäße, z. B. Gießpfannen, aber auch Löffel, sowie beheizte Gießöfen. Auch magnetische Pumpen werden gelegentlich zur Formfüllung eingesetzt.
 
Weil Metalle beim Abkühlen und Erstarren ihr spezifisches Volumen verringern, müssen Speiser (auf oder an das Gussstück gesetzte Vorratsbehälter mit flüssigem Metall) das Volumendefizit ausgleichen, um Lunker zu vermeiden. Der Gießvorgang wird durch die Schwerkraft ermöglicht, wobei Einguss, Lauf und Anschnitte die Elemente des Gießsystems bilden, welche die Zufuhr der Schmelze in den Formhohlraum ermöglichen. Nach Art des Formfüllens wird in fallendes Gießen und steigendes Gießen unterschieden. Dabei hängt der zeitliche Verlauf der Formfüllung von der Handhabung der Gießeinrichtung und den Druckverhältnissen im Gießsystem ab. Beim Schleudergießen wirkt die durch schnelle Rotation der Gießform hervorgerufene Zentrifugalkraft, beim Druckgießen die Bewegungsenergie eines Gießkolbens. Beim Spritzgießen wird extrudiert.
 
Gießen aus dem breiigen oder pastenförmigen Zustand wird z. B. für keramische Massen und Schlicker oder für Beton angewendet. Für die Herstellung von Werkzeugmaschinenbetten kann unter bestimmten Voraussetzungen z. B. Polymerbeton statt Gusseisen eingesetzt werden. Auch Kunststoffformteile oder -halbzeuge werden zum Teil durch Gießen hergestellt. Als Vorprodukte dienen Gießharze, polymerisierbare Monomere oder gelierende Polyvinylchloridpasten. Duroplaste und v. a. Thermoplaste werden durch Spritzgießen verarbeitet, Hohlkörper wie Puppen, Flaschen, Behälter aus Thermoplasten (Polyvinylchlorid, Polyethylen, Polyamide) durch Schleudergießen; bei letzterem lässt man die Formen unter Wärmezufuhr (z. B. im Heiztunnel oder Wärmeofen) mit verschiedenen Drehzahlen oder mit Schwenkbewegungen um zwei Achsen rotieren, um gleichmäßige Materialverteilung zu erreichen.
 
Kunststoffrohre werden zum Teil wie gusseiserne Rohre durch Schleudergießen erzeugt, wobei die Gießform um die Rohrachse rotiert.
 
II
Gießen,
 
1) Stadt in Hessen, im Gießener Becken an der Lahn, 157 m über dem Meeresspiegel, 73 600 Einwohner; Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Gießen und des Landkreises Gießen, Museen, Theater; botanischer Garten (1609 angelegt), Kongresshalle. Bahnknotenpunkt an der Linie Frankfurt am Main-Kassel und wirtschaftliches Zentrum für das die nördliche Wetterau, den westlichen Vogelsberg und Teile des östlichen Rheinischen Schiefergebirges umfassende Einzugsgebiet. Die günstige Verkehrslage hat vielseitige Industrie angezogen: Werkzeugmaschinenbau, Feinmechanik, Elektrotechnik, optische, pharmazeutische und Nahrungsmittelindustrie, Gummierzeugung. - Die Justus-Liebig-Universität wurde 1607 als Ludwigs-Universität (Ludoviciana) von Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt gegründet, 1624-48 mit der Universität in Marburg zusammengelegt; 1946 als landwirtschaftliche Hochschule und als Medizinsche Akademie, 1950 als Justus-Liebig-Hochschule weitergeführt, seit 1957 Universität Aus der 1838 in Gießen gegründeten Handwerk-Schule entwickelte sich über mehrere Zwischenstufen die heutige Fachhochschule Gießen-Friedberg.
 
 
Im Alten Schloss (Rundturm 14. Jahrhundert, Wohnbauten 16. und 17. Jahrhundert; 1893-1905 umgebaut, nach Kriegszerstörung wiederhergestellt) Oberhessisches Museum; Neues Schloss (1533-39), ein langrechteckiger Fachwerkbau auf massivem Erdgeschoss; Zeughaus (1586-90); Burgmannenhaus (um 1350, Museum für Stadtgeschichte). Klassizistisches Wachthaus der ehemaligen Kaserne (1817-19, jetzt Liebig-Museum); Neue Universität 1879 (der italienischen Renaissance nahe stehende Formen); Universitätsbibliothek (1956-59, H. Köhler); zahlreiche Universitäts-Neubauten. Von der ehemaligen Stadtkirche Sankt Pankratius ist nur der Turm (um 1500) erhalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die evangelische Paulskirche (1957) von G. Langmaack und die katholische Sankt Albertuskirche (1957/58) von K. J. Dicke errichtet. Bei Gießen die Burgruinen Gleiberg (im 11. Jahrhundert erwähnt, nach Verfall im 19. Jahrhundert restauriert) und Vetzberg (im 12. Jahrhundert erwähnt, Bergfried aus dem 13. Jahrhundert und Reste des Palas erhalten) sowie die ehemalige Augustinerchorherren-Stiftskirche Schiffenberg (1129 gegründet, 1323-1809 dem Deutschen Orden gehörend), romanische schlichte Pfeilerbasilika; von den Gebäuden des Deutschen Ordens sind u. a. die ehemalige Komturei (1493-1503), Probstei (1463) und der »Neue Bau« (um 1700) erhalten.
 
 
In Anlehnung an eine durch die Grafen von Gleiberg nach 1150 erbaute Burg entstand die Ortschaft Gießen. Die am Schnittpunkt mehrerer Fernhandelsstraßen gelegene Siedlung wurde 1248 erstmals als Stadt bezeichnet. Sie fiel 1265 an die Landgrafen von Hessen, die die vorgeschobene Exklave im 13. Jahrhundert befestigen ließen. Landgraf Philipp der Grossmütige baute das zuvor häufig als Stützpunkt der hessischen Territorialpolitik umkämpfte Gießen zu einer Festung aus. 1567 fiel Gießen an Hessen-Marburg, seit 1604 gehörte es zu Hessen-Darmstadt und war Sitz der Regierung von Oberhessen. Im Zweiten Weltkrieg (6. 12. 1944 wurde Gießen zu über 70 % zerstört. 1977-79 war Gießen im Zuge der Gebietsreform mit Wetzlar und 14 weiteren Gemeinden zur Stadt Lahn zusammengeschlossen.
 
 
 2) Landkreis in Hessen, Regierungsbezirk Gießen, 855 km2, 253 200 Einwohner; umfasst das Gießener Becken mit seinen Randlandschaften. Im Osten greift er in die Ausläufer des Vorderen Vogelsberges über (Licher Hügelland). Neben recht intensiver landwirtschaftlicher Nutzung spielt die Industrie eine wichtige Rolle: Eisenverarbeitung und Folgeindustrien, daneben Tonwerke, Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie. Das Kreisgebiet hat eine wichtige Durchgangsfunktion für Nord-Süd-Verkehrswege, die hier über das untere Lahntal Anschluss an die Rheinachse erhalten.
 
 
 3) Regierungsbezirk in Hessen, 5 381 km2, 1,064 Mio. Einwohner; umfasst die Landkreise Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Limburg-Weilburg, Marburg-Biedenkopf und Vogelsbergkreis.
 

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Gie|ßen: Stadt an der Lahn.

Universal-Lexikon. 2012.

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  • Gießen — Gießen, Hauptstadt der hess. Prov. Oberhessen, am Einfluß der Wieseck in die Lahn, (1900) 25.491 evang. E., Garnison, Land , Amtsgericht, Handelskammer, Ludwigs Universität (durch Landgraf Ludwig V. 1607 gegründet); Baumwollweberei,… …   Kleines Konversations-Lexikon

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